Otto Sutermeister kehrt für das Aargauer Erzählfestival symbolisch ins Schloss Klingnau zurück.

Ein Aargauer Märchensammler, sieben ausgewählte Geschichten und ein Erlebnisweg für die ganze Familie. Otto Sutermeister aus Tegerfelden war Lehrer, Sprachforscher, Professor und einer der bedeutendsten Schweizer Märchensammler. Mit seinem 1869 in Aarau erschienenen Werk «Kinder- und Hausmärchen aus der Schweiz» bewahrte er zahlreiche Schweizer Märchen, Sagen und Mundartgeschichten vor dem Vergessen. Entdecke den Menschen hinter den Märchen und tauche ein in seinen einzigartigen Schweizer Märchenschatz.
Otto Sutermeisterweg - Märchen hören, erleben und entdecken
Als Hommage an Otto Sutermeisters Wirken entsteht rund um das Schloss Klingnau ein besonderer Erlebnisweg für Kinder und Familien. An sieben abwechslungsreichen Posten begegnen die Kinder sieben ausgewählten Märchen aus seiner Sammlung. Dabei wird nicht nur zugehört: Es darf gerätselt, gesucht, ausprobiert, geklettert und mitgemacht werden.
Das erwartet die Kinder
Zu Beginn erhält jedes Kind einen eigenen Märchenbeutel. Nach den verschiedenen Posten wandert jeweils ein kleiner Gegenstand oder ein Symbol aus dem erlebten Märchen hinein. So füllt sich der Beutel Schritt für Schritt mit besonderen Erinnerungen.
Meistere die sieben Märchenposten und lass dich überraschen, welche Geschichten und kleinen Schätze unterwegs auf dich warten!

Für alle die mehr über Otto Sutermeister wissen wollen
Wer war Otto Sutermeister, wie entstand seine Märchensammlung und weshalb ist sein Wirken bis heute bedeutend? Scrolle weiter und erfahre mehr über sein Leben, seine Arbeit und seinen wertvollen Beitrag zur Schweizer Märchenkultur.
Wer war Otto Sutermeister?
Friedrich Gottlieb Otto Sutermeister wurde am 27. September 1832 in Tegerfelden im Kanton Aargau geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Aarau studierte er Philologie und Germanistik an der Universität Zürich.
Er arbeitete als Lehrer und Pädagoge an verschiedenen Schulen und Bildungsanstalten. Seine beruflichen Stationen führten ihn unter anderem nach Payerne, Paris, Winterthur, Frauenfeld, Küsnacht, Aarau, Rorschach und Bern.
Sutermeister unterrichtete Deutsch und Französisch, war Professor an der Kantonsschule Aarau und leitete zeitweise das Lehrerseminar in Rorschach. Im Jahr 1890 wurde er ausserordentlicher Professor für deutsche Sprache und Literatur an der Universität Bern.
Otto Sutermeister starb am 18. August 1901 in Aarau.
Das erste Schweizer Märchenbuch
Im Jahr 1869 veröffentlichte Otto Sutermeister im Verlag H. R. Sauerländer in Aarau sein bekanntestes Werk: «Kinder- und Hausmärchen aus der Schweiz».
Das Werk gilt als erstes Schweizer Märchenbuch. Die erste Ausgabe enthielt 56 Texte, davon 22 in Mundart. Die Geschichten stammten aus verschiedenen deutschsprachigen Regionen der Schweiz.
Sutermeister stellte die Märchen aus älteren Quellen und handschriftlichen Aufzeichnungen zusammen, ordnete und bearbeitete sie. Dabei orientierte er sich an den bekannten Märchensammlungen der Brüder Grimm.
Bereits 1873 erschien eine erweiterte zweite Auflage mit 63 Texten, darunter 25 Geschichten in Mundart. Sie enthielt zudem 20 Illustrationen und ein Wörterverzeichnis, das zahlreiche schweizerdeutsche Ausdrücke erklärte.

Ein Bewahrer von Märchen und Mundarten
Otto Sutermeister beschäftigte sich nicht nur mit Märchen. Er interessierte sich ebenso für schweizerdeutsche Mundarten, Kinderreime, Rätsel, Sprichwörter, Haussprüche und andere Formen der mündlichen Überlieferung.
Im 19. Jahrhundert wuchs die Sorge, dass regionale Dialekte und mündlich weitergegebene Geschichten verloren gehen könnten. Sutermeister setzte sich deshalb dafür ein, schweizerdeutsche Texte aufzuschreiben und zu veröffentlichen.
Ab 1882 gab er die Reihe «Schwizer-Dütsch» heraus. Darin erschienen Erzählungen in unterschiedlichen Mundarten aus den deutschsprachigen Kantonen der Schweiz.
Damit trug er dazu bei, die sprachliche Vielfalt unseres Landes sichtbar zu machen und regionale Erzähltraditionen für kommende Generationen zu bewahren.
Weshalb Märchen für ihn wichtig waren
Otto Sutermeister war überzeugt, dass Märchen weit mehr sind als unterhaltsame Geschichten. Für ihn stärkten sie die Fantasie, die Vorstellungskraft und die innere Entwicklung der Kinder.
Er verglich das Hören von Märchen mit dem freien Spiel. Während einer Geschichte dürfen Kinder an Feen, Zauberer, sprechende Tiere und wundersame Verwandlungen glauben. Nach dem Erzählen finden sie wieder sicher in ihren Alltag zurück – ähnlich wie nach einem fantasievollen Spiel.
Sutermeister setzte sich dafür ein, dass Märchen weiterhin in Familien und Schulen erzählt wurden und ihren festen Platz in der Kindheit behielten.
Sein Märchenschatz lebt weiter
Dank Otto Sutermeisters Veröffentlichungen blieb ein bedeutender Teil der Schweizer Erzählkultur erhalten. Viele Geschichten, die sonst vielleicht in Vergessenheit geraten wären, können noch heute gelesen, gehört und weitererzählt werden.
Der Otto-Sutermeister-Weg am Aargauer Erzählfestival führt dieses Vermächtnis weiter. Die Märchen werden nicht nur gelesen, sondern erzählt, gehört, erspielt und mit allen Sinnen erlebt.
So wird aus einem historischen Schweizer Märchenschatz ein lebendiges Abenteuer für die nächste Generation.
Türöffnung: 09.45
Programm: 10.00 bis 13.00